Veranstaltungsrückblick

05.03.2020 Parlamentarisches Frühstück "Wald im Klimawandel: Was ist zu tun?"

Bei dem Parlamentarischen Frühstück der Plattform Forst & Holz in Berlin nutzen zahlreiche Abgeordnete sowie Vertreter aus Ministerien und Verbänden die Möglichkeit, um sich über den aktuellen Stand der Forstwirtschaft in der Klimakrise zu informieren und sich zu erforderlichen politischen Instrumenten für den Umgang mit dem Klimawandel auszutauschen.

„Das Cluster Forst und Holz benötigt dringend eine gesetzliche Grundlage für eine systematische Risikovorsorge und ein schnelles Handeln im Kalamitätsfall,“ betont Georg Schirmbeck, stellvertretender Sprecher der Plattform Forst & Holz und Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR). Es ist ein wichtiger Baustein, um das Cluster Forst und Holz im Klimawandel zukunftssicher aufzustellen. Damit wird es in die Lage versetzt, weiterhin alle seine Leistungen sowie einen Beitrag zu den Zielen des Klimaschutzes liefern zu können.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat nach dem Waldgipfel im Herbst 2019 ein umfangreiches Hilfspaket für die Waldbesitzenden in Höhe von 547 Mio. Euro Bundesmittel für fünf Jahre aufgelegt. „Es ist sehr anzuerkennen, dass die Bundesregierung die Fördermöglichkeiten für die Bewältigung der Klimawandelfolgen im Wald deutlich erweitert und auch mit nennenswerten Finanzhilfen ausgestattet hat. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass diese Hilfen nur dazu genutzt werden können, einzelne forstliche Maßnahmen seitens Bund und Ländern anteilig mitzufinanzieren. Eine Kompensation für die ökonomischen Folgen der menschengemachten Klimakrise ist damit ebenso wenig verbunden wie eine Honorierung der vielen Ökosystemleistungen, die Wald und Forstwirtschaft für die Gesellschaft erbringen“, erklärt Dr. Jens Jacob vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Forstchefkonferenz von Bund und Ländern (FCK). Jacob weiter: „Wir dürfen nicht das Risiko eingehen, dass Waldbesitzende ihren Wald durch die zunehmende Kostenbelastung aufgeben müssen und wir dadurch diese vielfältigen Leistungen verlieren. Die Gesellschaft muss an deren Finanzierung vielmehr nach dem Grundsatz „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ teilnehmen. Hierfür bieten sich die Einnahmen aus der Bepreisung der CO2-Emissionen an, leistet doch der Wald in Form von Biomasseproduktion erhebliche Beiträge dazu, diese Emissionen der Atmosphäre wieder zu entziehen.“

„Das derzeitige Überangebot an Schadholz führt zu einer schwierigen Einnahmesituation. Es fehlen den Waldbesitzenden Einnahmen, die sie für die Wiederbewaldung und die Anpassung der Wälder an den Klimawandel benötigen. Um die Situation künftig zu entschärfen, benötigen Forstbetriebe alternative und krisensichere Finanzierungsmodelle. In diesem Kontext sollten beispielsweise die klimawandelbedingten Aufwendungen zur Stabilisierung des Ökosystems Wald stärker honoriert werden“, betont Steffen Rathke, Sprecher der Plattform Forst & Holz und Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR).

„Darüber hinaus muss die forstliche Risikovorsorge gestärkt werden, beispielsweise durch finanzielle Rücklagen und Waldschadensversicherungen und auch die Aufstellung regionaler Waldkrisenpläne, um zeitnah und unabhängig von politischen Entscheidungsprozessen reagieren zu können,“ betont Prof. Dr. Bernhard Möhring von der Georg-August-Universität Göttingen. Er wies in seinem Impulsvortrag auf die dringend notwendige Novellierung des Forstschäden-Ausgleichsgesetzes hin. Es solle zu einem Gesetz zum Schutz des Waldes im Klimawandel weiterentwickelt werden. Neben Maßnahmen zur Risikovorsorge sind darin in einem gestuften Verfahren Maßnahmen für den regionalen und nationalen Kalamitätsfall vorzusehen. Regionale Maßnahmen wären beispielsweise die Förderung der Schadensbekämpfung insbesondere im Kleinprivatwald sowie die Erleichterung von Holzaufarbeitung und Logistik. Für den nationalen Kalamitätsfall wäre der Erlass einer Rechtsverordnung zur Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlags vorzusehen, um Marktstörungen abzumildern. Die Gesetzesnovelle solle möglichst bald in Angriff genommen werden, da der Krisenmodus die Forstwirtschaft auch in Zukunft weiter begleiten werde.

Sturm, Dürre und Schadorganismen haben den Wäldern in den vergangenen beiden Jahren schwere Schäden verursacht. Die Folgen des Klimawandels für den Wald sowie für die Forst- und die Holzwirtschaft sind deutlich sicht- und spürbar. Die Schadfläche ist mit bis zu 245.000 Hektar mehr als doppelt so groß wie die Fläche Berlins. „Mit der angefallenen Schadholzmenge von 160 Mio. Kubikmetern Holz könnten bis zu fünf Mio. LKW beladen werden, die hintereinander gereiht zweieinhalb Mal um die Erde reichen“, so Georg Schirmbeck.

23.11.2016 Parlamentarisches Frühstück: "Bauen mit Holz – ressourceneffizient, sozial, wertschöpfend"

Beim Parlamentarischen Frühstück der Plattform Forst & Holz zum Thema „Bauen mit Holz“ am 23.11.2016 überreichte deren Sprecher Steffen Rathke, der Politik fünf Forderungen, mit denen die Potenziale des Holzbaus künftig noch besser ausgeschöpft werden sollen. Die Forderungen umfassen die Erweiterung von Wohnraum in Ballungszentren, den Klimaschutz, die regionale Wertschöpfung, die Forschungsförderung sowie den Abbau rechtlicher Hemmnisse in bestehenden Gesetzen.

Zwei Referenten beleuchteten bei der Veranstaltung am 23. November 2016 im Reichstag unterschiedliche Aspekte des Holzbaus: Während Jörg-Andreas Krüger vom World Wide Fund For Nature (WWF) einen Schwerpunkt auf die Ökobilanz des Rohstoffes Holz sowie die Prämissen des Klimaschutzplanes legte, stellte Architekt Martin Seelinger die praktischen Aspekte und technischen Möglichkeiten des Bauens mit Holz vor. Die Beiträge wurden von den anwesenden Mitgliedern des Bundestages sowie den Vertretern der Forst- und Holzbranche positiv aufgenommen und entsprechende Lösungsansätze diskutiert.

Gerade mit Blick auf die Reduzierung der CO2-Emissionen kann das Bauen mit Holz einen entscheidenden Beitrag leisten. „Ohne Holzbau werden wir unsere Klimaschutzziele nicht erreichen.“, so der Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Chris Kühn. „Wir brauchen endlich in Deutschland eine nationale Holzbaustrategie.“

In der Diskussion wurde darüber hinaus jedoch auch deutlich, dass die nachhaltige Forst- und Holzwirtschaft nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leistet. Das Bauen mit Holz trägt dazu bei, zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern: vom Wohnraumbedarf über den Klimawandel bis hin zur Stärkung der ländlichen Räume durch das Cluster Forst und Holz.

„Letztlich stellt sich nicht die Frage, ob Holz eine größere Rolle spielt, sondern welche Rahmenbedingungen die deutsche Forst- und Holzwirtschaft benötigt, um die Potenziale des Holzbaus für die Zukunft zu erschließen.“, so Steffen Rathke, Sprecher der Plattform Forst & Holz sowie Vizepräsident des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e. V.

Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. bekräftigt, dass dafür ein bedarfsgerechtes Rohholzaufkommen, sowie der Erhalt eines nennenswerten Anteils an Nadelholz Grundlagen für den langfristigen Erfolg sind. „Bewirtschaftete Wälder sind das Rückgrat der Klimaschutzleistungen der Forst- und Holzwirtschaft und ermöglichen eine unumstritten gute Treibhausgasbilanz für den weiteren Holzbau.“

Die Zukunftsoffensive Holzbau ist eine gemeinsame Initiative der Plattform Forst & Holz und dem WWF. Jörg-Andreas Krüger, Bereichsleiter Biodiversität des WWF dazu: „Alle gesellschaftlichen Ebenen sind gefordert, ressourcen- und klimaschonendes Bauen voranzubringen. Bestehende rechtliche Hemmnisse sollten daher schnellstmöglich abgebaut werden.“

Eine klimagerechte Politik sollte künftig nicht nur Energieeinsparung oder Wärmeeffizienz vorantreiben, sondern die gesamte Treibhausgasbilanz von Produkten (Product Carbon Footprint) betrachten. Ein Anfang wäre beispielsweise eine CO2-Einsparverordnung im Bausegment – denn hier ist Holz anderen Baumaterialien im wahrsten Sinne des Wortes „haushoch“ überlegen.

13.09.2016 Parlamentarisches Frühstück: "Ressourceneffizienz als Leitbild – Vorbild Zellstoff- und Papierindustrie"

Der Einladung der Plattform Forst und Holz zum gemeinsamen Frühstück mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages folgten erneut etliche Volksvertreter. Es stellte sich die Zellstoff- und Papierindustrie vor und räumte mit einigen Vorurteilen auf: Natürlich startet jede Papierfaser im Baum; durch Effizienz und Recycling wird der nachwachsende Rohstoff aber zum Träger echter Innovation und zur Speerspitze einer neuen Bioökonomie.

Steffen Rathke, Sprecher der Plattform Forst & Holz begrüßte am 29. September zahlreiche Bundestagsabgeordnete zu der Veranstaltung im Berliner Reichstagsgebäude, die unter dem Leitthema „Ressourceneffizienz als Leitbild – Vorbild Zellstoff- und Papierindustrie“ stand. Durch die Veranstaltung führte Martin Drews, Geschäftsführer des Ausschusses Forst und Holz im Verband Deutscher Papierfabriken (VDP), einem Mitgliedsverband des DHWR. „Die von nachhaltiger Rohstoffversorgung und effizienter Kreislaufwirtschaft geprägte Papierwirtschaft braucht natürlich trotzdem einen laufenden Input von frischen Holzfasern.“, fasste Drews eine zentrale Botschaft der Zellstoff- und Papierindustrie zusammen. Prof. Dr. Frank Miletzy, Honorarprofessor an der TU Dresden machte in seinem Impulsvortrag an zahlreichen Produkten und Produktionstechnologien deutlich, dass die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie eine innovative Branche und Vorreiter der modernen Bioökonomie sei. Eine konsequente Förderung solcher Schlüsseltechnologien seien für Deutschland der richtige Weg, betonte auch der Abgeordnete Cajus Caesar (CDU), zuständiger Berichterstatter im Haushaltsausschuss, der die Unternehmen aufforderte, weiter innovative Projekte zu entwickeln. Dieser Meinung schloss sich auch Alois Gerig (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und Ernährung im Deutschen Bundestag an: „Der Wald, das Holz und alle Produkte daraus sind das Sinnbild der Nachhaltigkeit. Mich begeistert, mit wie viel Innovationskraft es die Branche schafft, immer bessere Produkte bei stetig zunehmender Umweltverträglichkeit auf den Markt zu bringen.“

In der nachfolgenden Diskussion mit den Abgeordneten standen der Stoffkreislauf sowie die Herkunft des Rohstoffes Holz zur Debatte. Mit einer Recyclingquote von 74% ist die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie weltweit führend. Hierzu durchlaufen Papierfasern bis zu sieben Lebenszyklen. Die anteilig notwendige Verwendung von frischen Holzfasern basiert in Deutschland ausschließlich auf nachhaltig produziertem Holz, dessen lückenlose Rückverfolgbarkeit garantiert sei. Wichtigster Partner der Branche ist die deutsche Forstwirtschaft, die durch eine nachhaltige Bewirtschaftung der heimischen Wälder den klimafreundlichen Rohstoff Holz liefert. „Die Deutsche Papierindustrie zeigt damit, wie Umweltschutz und starke wirtschaftliche Entwicklung in Einklang gebracht werden können.“, bestätigte Dr. Thomas Gebhart, Kreislaufpolitscher Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

17.02.2016 Parlamentarisches Frühstück: "Wildnisgebiete im Wald - der richtige Weg für Deutschland?"

Beim parlamentarischen Frühstück zum Thema Wildnis diskutierten am 17. Februar 2016 die Vertreter der Plattform Forst & Holz mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Deutschen Bundestages. Das Impulsreferat hielt Prof. Hermann Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

Prof. Spellmann erläuterte neben der Definition von Wildnisgebieten, auch die Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS). Im Fokus standen die beabsichtigten Flächenstilllegungen im Wald. Diese sehen vor, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands bzw. zehn Prozent des öffentlichen Waldes aus der Nutzung zu nehmen. Auf diesen Flächen sollen Wildnisgebiete bzw. Wildnisentwicklungsgebiete entstehen. Die in Deutschland vorherrschende romantische Verklärung von Wildnis führt – besonders bei der heute urban geprägten Bevölkerung – zu einem verzerrten Blick auf die Thematik, erläuterte Spellmann. Um gemeinsam im Interesse der NBS-Ziele zu wirken, empfahl er eine verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Naturschutz.

Ein besonderes Augenmerk legte er auf den Erhalt der biologischen Vielfalt, zu der neben Gebieten mit natürlicher Entwicklung auch Flächen mit kulturell gewachsenen Landbewirtschaftungsformen erforderlich seien. Spellmann hinterfragte die Effektivität von großflächigen Stilllegungen zur Erreichung der gesteckten Artenschutz- und Biodiversitätsziele. Er plädierte statt großflächigen Stilllegungen von Waldgebieten für einen integrativen Ansatz, bei dem nachhaltig und multifunktional bewirtschaftete Waldflächen von sogenannten Hotspots der Biodiversität durchsetzt sind. Als positives Beispiel nannte er die Waldlandschaft Solling in Südniedersachsen.

Den immer wieder aufkommenden Forderungen nach weiteren Flächenstilllegungen entgegnete er, dass die pauschalen Ziele der NBS bereits nahezu erreicht seien. Denn gemäß NBS zählen zu den Wildnisflächen auch jene, die keinen dauerhaften rechtlichen Schutzstatus aufweisen. Dies sind zum Beispiel nicht begehbare Flächen wie Steilhänge, aber auch Moore, Aue- oder Bergbaufolgelandschaften.

Cajus Caesar MdB (CDU) forderte in der anschließenden Diskussion mit Blick auf die Artenvielfalt: „Wir sollten nicht nur die starren Ziele der Biodiversitätsstrategie berücksichtigen, sondern auch die Waldstrategie des BMEL mit Leben füllen. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung integriert Artenvielfalt und Naturschutz in die Wertschöpfungskette Wald und Holz.“

„Eine der wichtigsten Aufgaben wird es sein, die sich in der Vergangenheit wieder vermehrt aufgetanen Gräben zwischen den Interessengruppen zu verkleinern.“, ergänzte Petra Crone MdB (SPD). „Der Vortrag hat zudem gezeigt, dass es bei der Umsetzung des 5 %-Ziels nutzungsfreier Wälder und des 2 -Prozent-Wildnisziels der NBS neben dem Aspekt Fläche gilt, auch die naturschutzfachliche Qualität derselben stärker einzubeziehen.“